Teil 1- Chat-Amok im Landesgericht in Kopenhagen – Anakata´s Revision

Ich berichte hier in Teilabschnitten über die Revision im Prozess in Dänemarks größter Hackersache gegen Gottfried Svartholm Warg (auch Anakata genannt) – Vielen Dank an Peter Kofod aus Dänemark – Er berichtet aus dem Gerichtssaal in Kopenhagen und die größten Teil des Textes stammen von ihm. Anakata war nicht nur ein Teil von The Pirate Bay sondern auch von WikiLeaks. Diese beiden Projekte sind nicht unumstritten und auch nicht die Menschen die mit diesen in Verbindung gebracht werden, aber sie haben unheimlich viel in Bewegung gesetzt.

Anakata wurde am 31.10.2014 zu 3,5 Jahren Haft in Dänemark verurteilt, da er beschuldigt wird CSC (Computer Sciences Corporation – www.csc.com) gehackt zu haben. Er bestreitet dieses die ganze Zeit über und es konnte nicht wirklich bewiesen werden, nur dass der Angriff von seinem Computer ausging.

Fehlende Verdächtige, geheime Chatlogs und bewaffnete Polizisten: Peter Kofod berichtet von Dänemarks größtem Hackerprozess, welcher sich im östlichen Landgericht von Kopenhagen zurzeit abspielt.

Östliches Landesgericht, 9. Juni 2015

„Habt Ihr Presseausweise?“ bellt er – Anders Riisager, der selbsternannte technisch unbegabte Staatsanwalt, welcher plötzlich vor mir steht.

Eine Viertelstunde später erscheint Anakata, flankiert von zwei Beamten in Schutzsicheren Westen.

Im Gericht dürfen „normale Menschen“ keinen Computer dabei haben oder ihre Telefone benutzen um zu twittern oder um eine SMS zu verschicken. Dieses dürfen nur „die richtigen“ Journalisten. Die mit Presseausweis.

Dem Gesichtsausdruck des Anklägers nach zu urteilen würde er sich freuen wenn ich dazu gezwungen werde meinen Computer wieder einzupacken – oder das mir Handschellen gelegt werden, so wie es einem Aktivisten zuvor während des Prozesses wiederfahren ist.

Ich muss ihn leider enttäuschen: Es ist eines meiner tiefsten, mir am meisten peinlichen Geheimnisse, das ich einen Presseaufweis besitze. Mein Nachbar von TV2 hat auch seinen Spaß – also diesmal kein zusammen packen der Computer und keine Handschellen. Der Staatsanwalt schleicht niedergeschlagen zurück zu seinem Platz.

Eine bizarrer Prozess

Die Gerichtverhandlung am Dienstag – Der vorletzte Tag in der Revision gegen Anakata sollte um 9 Uhr beginnen, aber die Polizei hat Probleme mit dem Transport aus dem Arrest in Køge nach Kopenhagen und zurück und kommt zu spät, wie schon am Tag zuvor.

Der Staatsanwalt Riisager staucht die Polizisten ordentlich zusammen. Dieses lassen sich die Polizisten aber nicht gefallen und protestieren laut stark dagegen, dass sie sich nicht wie Dreck behandeln lassen. Wiederrum schleicht der Staatsanwalt davon, aber die Polizisten sind nicht zufrieden und marschieren quer durch den Gerichtssaal hinter ihm her – „So redest Du nicht mit uns!“ – „Hast Du das verstanden?“

Anakata sieht sich die Szene etwas verwirrt an.

Es muss sich für ihn auch seltsam anfühlen, einmal nicht der derjenige zu sein, der die Schuld dafür bekommt das die Polizei Probleme damit hat die Dänische Infrastruktur zu übersehen.

Ein passend bizarrer Start,
an einem bizarren Tag in einer bizarren Rechtssache.

Bald geht es hier weiter mit Berichten über die verschiedenen Chatlogs aus dem Gerichtssaal in Kopenhagen – geschrieben von Peter Kofod und von Petra aus dem Dänischen übersetzt.

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